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Allahs Kupplungsseil

November 29, 2017

Ich fahre Saab seit über 25 Jahren. Nur Saab. Immer Saab. Mit einer kurzen Unterbrechung. Die war gestern, der Tag an dem mein Kupplungsseil riß. Und etwas später meine Geduld. Aber der Reihe nach: Mitten auf dem Jungfernstieg trat ich beim Betätigen der Kupplung plötzlich ins Widerstandlose. Knack. Ade, Kupplungsseil. Hallo, ADAC. Hi, Bus nach Hause. Nass und durchgefroren nahm ich auf dem HVV Sitz Platz. "Einen wunderschönen guten Abend," traf mich ein Seminar-geschultes Small-Talk-Lächeln unerwartet von der Seite. "Sind sie Christ?"  "Jetzt gerade nicht," entgegnete ich und dachte an mein gerissenes Kupplungsseil. "Wie denn... ? Sind sie nur zeitweise... ?" wollte mein Gegenüber es jetzt doch ganz genau wissen. Schlimmer Fehler der Nachfrage. Denn wenn ich schlechte Laune habe und man mich nicht auskurieren lässt, revanchiere ich mich gern mit destabilisierender Verwirrung.  "Ja, Montags Gnostiker, Dienstags Christ, Mittwochs Muslim, Donnerstag Nihilst, Freitags Jude und am Wochenende Buddhist, weil die so schön entspannen können." Ich blickte in eine Cloud aus bleichen Fragezeichen. "Aber das geht so nicht, es gibt nur einen Gott." "Hmm, lassen Sie mich raten: Und das ist, wie es der Zufall will, ausgerechnet ihrer." "Ja, der allmächtige, einzige Gott, der Schöpfer... ."  "... auch von Kupplungsseilen?" unterbrach ich ihn.  Die Fragezeichen liefen nun wild durcheinander. "Äh,wie ... was?" "Okay, ich will nicht ungerecht sein, es hat immerhin 6 Jahre gehalten, aber die Aufhängung ist nicht richtig durchdacht, sagen sie ihm das." Die Fragezeichen gingen jetzt in Deckung, suchten Schutz hinter einem dunkelbraunen Buch - vielleicht eine Bibel, vielleicht ein Koran. "Gott wird sie strafen," zündelte es hinter 300 Seiten religiöser Verklärung. "Gott wird gar nichts tun. Nichts, absolut nichts. Er hat schon genug getan. Uns Verstand gegeben. Uns Sprache gegeben. Uns Gefühle gegeben. Das ist mehr als ausreichend, um sich vernünftig zu begegnen. Ohne, dass einer dem anderen sein dickes, braunes Gott-Buch mit Wucht und Hass auf den Schädel haut. Und dabei verkündet,  sein Rechthaber-Gott, wolle das so." Es war ruhig geworden im Bus. Irgendjemand hüstelte. Ich fragte mich, wie viele Stationen wir noch fahren müssen, bis wir endlich am Ziel sind.

 

 

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© 2017 Christoph Sinemus